Schöpfungsmythos

Abrasax, Abraxas, Es, das All-Eine oder wie immer es auch genannt werden mag, erzeugt, kreiert, gebiert, ständig, unaufhörlich, ohne Unterlass, denn es ist die Kraft hinter Allem. So geschah es denn vor vielen Jahrmillionen, dass Abraxas sein Feuer aussandte um unzählige Planeten und Sonnen zu gebären, angefüllt mit seinem Geist, mit seiner Lebensenergie. Ein Planet der Unzähligen war die Erde.

Als glühende Kugel zog sie von nun an ihre Kreise im Weltenall und umtanzte, sich um sich selber drehend, ihre feurig, flammende Sonne. Nach und nach kühlte sie ab, ihre weiche Oberfläche wurde fester. Mit der Zeit jedoch begann sie sich zurückzusehnen, zurück in die Vereinigung mit dem All-Einen. Und so warf sie gewaltige Gebirge auf, türmte Massen an Gestein so hoch sie es vermochte. Aber wie sehr sie sich auch mühte, es gelang ihr nicht das All-Eine zu erreichen. Daraufhin begann sie bitterlich zu seufzen. Sie ächzte und stöhnte, tief und tiefer, immer heftiger und gebar aus ihren Seufzern den Wind. Ihm sollte es von nun an zukommen, sich wieder mit dem All-Einen zu vereinigen.

Der Wind begann sofort und ohne Unterlaß zu wehen. Es sauste über die endlosen, trocken Steinwüsten, durch alle Täler und über alle Gipfel der Erde. In jeden erdenklichen Winkel drang er vor, durchzog ihn und nahm so die Sehnsucht der Erde in sich auf. Alsdann begann er emporzusteigen, hoch und höher, immer weiter hinauf, weit höher als es die höchsten Gipfel der Erde jemals vermochten. Doch auch ihm gelang es nicht, sich mit dem All-Einen zu vereinigen. Als ihm dies bewußt wurde, begann er kummervoll zu weinen und gebar durch seine Tränen das Wasser. Diese Tränen aber waren so zahlreich, dass sie jeden Flecken der noch trockenen Erde benetzten. Die Wasser füllten die Täler und Schluchten, überfluteten die endlosen Steinwüsten und es entstanden gewaltige Ozeane. Bald schon war nahezu die ganze Erde vom Wasser bedeckt. Dem Wasser sollte es von nun an zukommen, sich wieder mit dem All-Einen zu vereinigen.

Das Wasser begann alsdann zu wogen, in langsamen, trägen Bewegungen zunächst, schon bald jedoch immer heftiger und stärker, bis es schließlich wild und ungestüm rauschte, brauste und toste. Machtvolle, turmhohe Wellen bildeten sich und rollten mit aller Kraft den Ufern entgegen. Dort brachen sie mit solcher Wucht an den Felsen, das gewaltige Gischtfontänen hoch in den Himmel emporstiegen. Wieder und wieder schlugen die Wassermassen gegen die Klippen und eine immer heftigere Brandung ließ durch riesige Brecher gewaltige Wolken aus Gischt aufsteigen. Doch so sehr das Wasser auch stürmte und wütete, es gelang ihm nicht das All-Eine zu erreichen. Vom heftigen Brausen und Stürmen ermattet beruhigte es sich, still wurde seine Oberfläche und so glatt wie ein Spiegel. Es wurde sehr nachdenklich und kam zu dem Entschluß, das die Weitergabe der Aufgabe an immer nur eine neue Wesenheit nicht zum erhofften Ziele führen würde. Daraufhin gebar es zahllose Wesen. So zahlreich und vielfältig auf das sie das Wasser, die Erde und den Wind bevölkern konnten. Es erhoffte sich, unter all diesen Geschöpfen möge eines darunter sein, welches die Fähigkeiten in sich trägt, die tiefe Sehnsucht zu erfüllen, welches die Kraft und den Willen in sich entwickelt, sich wieder mit dem All-Einen zu vereinigen. Und des Wassers Hoffnung sollte erfüllt werden, denn es gibt tatsächlich ein solches Geschöpft und dieses ist – der Mensch.

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©:Vivían Maíro:10_12_2010:♋♎♏:

Schöpfungsmythos

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