1.Kapitel

~

Es war ausnahmsweise eines der weniger anstrengenden Tage in meinem Leben, ich saß trotz der Schwüle auf meinem kleinen Hocker oben auf dem sta7. Von hier aus erblickt man ganz Algier. Nun ja, eigentlich nur unser winziges Dorf, aber das ist meiner Ansicht nach groß genug. Eigentlich darf ich mich zu dieser Uhrzeit nie hier aufhalten, da Yemma der Meinung ist, dass es sich für Mädchen in meinem Alter nicht gehört. “Was suchst du in dieser Hitze da oben? Alle sind erschöpft und ruhen, außer dir und diesen dreckigen französischen Streitkräften, die sich pausenlos auf der Straße befinden! Was soll nur aus dir werden Shaira? La illaha illa Allah Mohamad rasul Allah”. schimpfte sie immer. Normalerweise sind Yemmas Vorschriften oberste Priorität , aber heute war ich unter keinen Umständen willig diese zu befolgen, ich konnte den wohlriechenden Düften der Cousha, dem wolkenlosen Himmel und den glühend heißen Sonnenstrahlen nicht widerstehen.
Der weiß gestrichene Zementboden war glühend heiß und meine Füße schmerzten, aber das tat jetzt nichts zur Sache, denn die Sonne stimmte mich glücklich und ließ mich alles um mich herum vergessen. Mein Kopftuch saß etwas locker und ich musste es fest umklammern damit es mir nicht vom Kopf flog. Ich versuchte so gut es ging dieses eine Mal keinen Ausschau nach ihm zu halten, versuchte mit aller Kraft nicht an ihn zu denken, deshalb widmete ich mich meinem Buch und zuckte mit den Schultern, weil ich die Last dieser unerträglichen Gedanken abschütteln wollte. Während ich so vor mich hinsaß, hörte ich ein gedämpftes "Schà-ira, schà-ira . . . ". Ich schreckte hoch, ließ mein Buch fallen , vergaß alles um mich herum, vergaß wer ich bin und wo ich mich befand. Es war fast so als hätte mich jemand hypnotisiert, denn ich handelte so kraftvoll, so bestimmt wie noch nie zuvor. Ich spähte vorsichtig nach unten und sah sein strahlendes Gesicht. Seine himmelsblauen Augen blickten mich erwartungsvoll an, er grinste über beide Ohren, strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und meinte: “Ca fait longtemps qu’on n’a pas eu l’occasion de se parler, Shà-ira”
~
Wie in Trance rannte ich die Treppe herunter, stolperte, hastete aber weiter ohne mich noch einmal umzudrehen. Eilig lief ich in mein Zimmer, schloss die Tür ab und ließ mich auf mein Bett fallen. Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf während ich da lag und mein Gewissen plagte mich . . . “Du hättest nicht einfach so weglaufen dürfen . . . Was er wohl jetzt von dir denkt, nachdem du so abweisend warst . . . Du hättest ihn wenigstens anlächeln können . . .”
Ich versuchte die negativen, einengenden Gedanken abzuschütteln und fing stattdessen an, mich an die Vorstellung zu gewöhnen, dass er sich meinen Namen gemerkt hatte. Er hatte ihn sich tatsächlich eingeprägt und die Art wie er ihn aussprach und mich dabei ansah, so hingebungsvoll, so entschlossen. Ich kicherte albern vor mich hin und konnte die innere Glückseeligkeit, die mich seit dem Augenblick an dem ich ihn gesehen hatte, gepackt hatte nicht erklären. Ehe ich mich versah, versank ich in eine tiefe Traumwelt und in dieser Nacht schlief ich besser als je zuvor und träumte von einem purpurnen, künstlichen Salzsee und einem Segelboot mit feuerroten Segeln.
Als ich am nächsten Morgen erwachte erinnerte ich mich an den merkwürdigen Traum vom Segelboot. Ich träumte, dass ich mich auf diesem Segelboot befand und mich am Reling festhielt

Fortsetzung folgt

1.Kapitel

Shareefa

Joined January 2010

desktop tablet-landscape content-width tablet-portrait workstream-4-across phone-landscape phone-portrait
desktop tablet-landscape content-width tablet-portrait workstream-4-across phone-landscape phone-portrait

10% off

for joining the Redbubble mailing list

Receive exclusive deals and awesome artist news and content right to your inbox. Free for your convenience.