Was ist das Leben? Totentag in Mexiko - ein Familienfest

Heute, 2.November, Allerseelen, ist der Día de los Muertos – Totentag – in Mexiko. Für viele Mexikaner ein mehr oder weniger fröhlicher Gedenktag, an dem man den verstorbenen Angehörigen ihre Lieblingsspeisen und getränke auf den mit Blumen und Kerzen geschmückten Altar im Wohnzimmer stellt und ihnen auf dem Freidhof ein Fest bereitet – u.a. z.B. mit fröhlicher Mariachimusik. Denn – so die Auffassung – die Toten sind nicht tod, sie befinden sich – zumindest vorübergehend – in einer Art anderen Sphäre, aus der sie am Allerseelentag herabsteigen, um sich zu ihren Hinterbliebenen zu begeben.
Natürlich herrscht auch in Mexiko Trauer, wenn ein geschätzer Mensch stirbt, aber die Trauer wird abgemildert durch die Überzeugung, dass seine Seele trotzdem präsent ist und damit quasi Quintessenz des Menschen.
Der Mensch wird als Teil der Natur begriffen, die ein einziges Werden und Vergehen und erneutes Keimen ist, ein ewiger spiralförmiger Kreislauf. Und so wie das reife Maiskorn geerntet und dann wieder als Samen in die Erde gelegt wird, so ist das auch mit den Menschen. Sie vergehen, um irgendwann neu zu erblühen – nämlich dann, wenn die Natur und der Kosmos einen Zyklus abgeschlossen haben und der Zyklus auf einer höheren Ebene wieder beginnt.
Tage sind kleine Zyklen mit Sonnenauf
und untergang, Monate bestimmt durch die Mondzyklen und das Jahr durch den Zyklus der Jahreszeiten, die wiederum vom Umkreisen der Erde um die Sonne determiniert werden. Miteinbezogen in die Kosmologie waren auch die Planeten, in erster Linie die Venus, deren Phasen als Morgen- und Abendstern von den indianischen Völkern erkannt worden war, als man in anderen Teilen der Erde noch glaubte, es handele sich um zwei verschiedene Himmelskörper.

Das Thema Tod ist in Mexiko kein Tabuthema, man macht sich auch in relativ jungen Jahren Gedanken und spricht darüber – und man macht sich gerne über den Tod lustig: vor allem an den Totentagen sind die Calaveras (Totenschädel) und Catrinas (Skelette in eleganter Frauenkleidung) gegenwärtig (www.redbubble.com/people/8paco8 Collection “Dia de los muertos”).

Dass man mit diesem Thema so “leichtfertig” umgeht hängt auch mit dem dualistischen Denken zusammen: Alles hat eine positive Seite und eine negative. Auch das hat seine Wurzeln im indianischen Denken, wo jede Gottheit positive und negative Aspekte hatte – deshalb erscheint es uns so befremdlich, wenn indianische Götter als erschreckende Gestalten dargestellt werden (http://de.wikipedia.org/wiki/archivo:Coatlique.jpg ).
In der griechischen und römischen Kunst waren Bildwerke von Göttern Idealisierungen, die Göttern sind quasi Inbegriffe von Harmonie und Schönheit (http://de.wikipedia.org/wiki/Hera ).

Schon die olmekischen Künstler verbanden menschliche Züge mit denen des Jaguars, der ihnen offenbar heilig war (http://de.wikipedia.org/wiki/File:Kunz_Axe.jpg )., was aber fast erschreckend wirkt. Und es existiert auch heute noch bei indianischstämmigen Mexikanern die Auffassung, dass jeder Mensch ein “Nagual” hat, ein Tier, das untrennbar mit ihm und seinem Schicksal verbunden ist – das kann ein Adler sein, ein Hund – oder eben auch ein Jaguar oder welches Tier auch immer. Und der Mensch – und hier gibt es eine seltsame Parallele zu den Griechen – hat bei seinem Übergang in die anderen Sphären einen Hund als Seelenbegleiter.

Und so wie unsere Vorfahren sich verpflichtet fühlten, den Göttern Opfer zu bringen – auch der Gott des alten Testaments verlangte Opfer (z.B. sollte Abraham seinen Sohn Isaak opfern, der dann aber quasi in letzter Sekunde durch einen Widder ersetzt wird) -, so glaubten die indianischen Völker, die Götter gnädig stimmen zu müssen durch Tieropfer – oder wie bei den Maya u.a. durch das eigene Blut. Selbst die Mayakönige durchbohrten sich den Penis, ihre Frauen die Zunge, das Blut wurde aufgefangen auf Amatepapier (Baumrindenpapier), dieses wurde angezündet, so dass das Blut in den Himmel und damit zu den Göttern aufsteigen konnte.
Die olmekische Hochkultur entwicklte vor 2000 bis 3000 Jahren Schrift und Mathematik und Astronomie/Astrologie. Von den Olmeken stammen auch die ersten Pyramiden, die man in La Venta besichtigen kann (http://de.wikipedia.org/wiki/La_Venta_(Mexiko) ). Offenbar waren die Schöpfer dieser Kultur negroide Menschen (http://de.wikipedia.org/wiki/Olmeken ), das lassen jedenfalls die Darstellungen vermuten, die u.a. als Kolossalkopf zu bewundern sind. Feinste Jadearbeiten zeigen Jaguarmenschen, aber auch Gesichtszüge, die an den vordern Orient erinnern – obwohl die Wissenschaft davon ausgeht, dass die ersten Sieder vor mehrere zehntausend Jahren über die Behringstrasse kommend den Kontinent von Nord nach Süd besiedelt haben.

Die Kultur der Olmeken wurde abgelöst durch die Kultur der Maya in Chiapas und in Teilen Mittelamerikas, die von den Olmeken wohl zentrale Fertigkeiten und Anschauungen übernahmen und weiter entwickelten. Auch bei den Maya spielte der Jaguar eine bedeutende Rolle, aber auch die Schlange.

Indianische Götter spielen heutzutage kaum eine Rolle bzw. sie sind – so könnte man das jedenfalls sehen – durch Heilige ersetzt, denen ja auch im chistlichen Abendland bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten zugeschrieben werden.

Und heute werden die Toten auch nicht mehr auf dem Grundstück beerdigt, auf dem die Familie lebt, sondern auf einem Friedhof – aber lange Zeit hatte sich der sehr alte indianische Brauch gehalten, die Toten quasi bei der Familie zu haben.
Wobei in manchen Regionen die Vorstellung herrscht, dass die Seele aus mehreren Teilen besteht – ein Teil verharrt da, wo der Mensch stirbt (von daher die Kreuze an Unfallstellen), ein Teil verweilt an der Begräbnisstelle, ein Teil an dem Ort, wo der jeweilige gelebt hat.

Aber nicht nur Menschen sind beseelte Wesen, die ganze Natur ist beseelt. Von dahr haben wir Mneschen kein Recht, diese zu zerstören. Wir haben das Recht, uns das zu nehmen, was wir zum Leben notwendig brauchen, aber selbst dafür müssen wir Pflanzen und Tiere um Verständnis und Verzeihung bitte und auch der Natur Opfer bringen.
So brachten die Flieger von El Tajin (http://de.wikipedia.org/wiki/Danza_del_Volador ) dem Baum ein Opfer, den sie für das Ritual benötigten und erklärtem dem Auserwählten, dass das Fällen eine Notwendigkeit sei.

Es ist auch heute noch vielen Mexikanern unverständlich, warum wir Europäer so auf Vorratshaltung aus sind, Kühltruhen haben und gut gefüllte Vorratsregale, hier besorgt man sich das zum Leben notwendige dann, wenn man es braucht – man weiss ja auch nie, was der nächste Tag bringt…… So kommen auch nicht alle Mexikaner auf die Idee, dass man systematisch für sein Alter vorsorgen sollte – zur Not arbeitet man weiter bzw. wird von den Kindern oder anderen Verwandten miternährt – man lebt hier viel mehr für das Hier und Jetzt als in den kühleren Regionen. Das hängt natürlich aus damit zusammen, dass das Klima dazu beiträgt, dass es so gut wie immer etwas Essbares gibt und man hier nicht – wie unsere Vorfahren – für Herbst und Winter Vorsorge treffen musste, wollte man nicht erfrieren und verhungern. Von daher sind wir in den Augen vieler Mexikaner Meister im Planen und Organisieren, sie dagegen Meister im Improvisieren – eigentlich sollten wir vom anderen jeweils das zu erlenen versuchen, was wir nicht so perfekt beherrschen.

Das im Hier und Jetzt leben bringt es mit sich, dass man sich über das freut, was man gerade hat und weniger auf das fixiert was in grosser Ferne lebt. Hinzu kommt, dass man – siehe Dualismus und zyklisches Denken – davon ausgeht, dass im Leben vieles nicht immer so angenehm und perfekt läuft, wie man es anstrebt und dass es einen ewig andauernd Zustand des Glückes gar nicht geben kann – “Glück ist nur ein Moment” ist zwar ein chinesisches Sprichwort, aber es spiegelt das, wovon auch viele Mexikaner ausgehen.

So wie der Mensch untrennbar mit der Natur verbunden ist, sollte er es auch mit dem sein, was man vielleicht “das Göttliche” nenen könnte, denn Gott und die Heiligen gehören genau so zum Universum wie Mensch und Natur und Kosmos. Für nicht wenige Menschen ist das eine Art Kraftquelle, die ihnen hilft, schwierige Erfahrungen und Zeiten zu bewältigen und den Optimismus zu wahren.

Was ist das Leben? Totentag in Mexiko - ein Familienfest

PtoVallartaMex

Puerto Vallarta, Mexico

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